Wie gesund ist Gemüse aus Stadtgärten?

Schadstoffe im Stadtgemüse

Schadstoffe im Stadtgarten

Der Trend, sein eigenes Gemüse mitten in der Stadt anzubauen, hat schon längst Deutschland erreicht und viele Städter konnten sich nicht nur sehr gut vorstellen, einen eigenen Garten zu besitzen, sondern haben bereits die Vorstellung umgesetzt.

Die verschiedenen Gründe dafür sind, einfach mehr Zeit in der Natur zu verbringen, der gesunden Ernährung wegen, oder aber auch um mehr Bewegung zu bekommen und nicht extra dafür ein Fitness-Studio besuchen zu müssen. Überwiegend lockt natürlich der Gedanke, gesundes Gemüse zu essen, von dem man auch weiß, woher es kommt. Doch ist in der Stadt gezogenes Gemüsewirklich gesünder als gekauftes?

Supermarktgemüse versus Stadtgemüse

Mehr Grün ins graue Umfeld zu bringen und eigenes Gemüse und Obst aus städtischen Hobbygärten zu ernten, bedeutet aber auch, dass Obst und Gemüse je nach Lage, stark mit Schwermetallen belastet sein kann. Forscher fanden heraus, dass in Großstädten wie Berlin fast die Hälfte des Stadtgemüses aus Gärten in den Innenstadtlagen sogar den EU-Grenzwert für Blei in Lebensmitteln überschreitet.

Allerdings variieren bei den verschiedenen Gemüsesorten die Werte sehr stark, so dass grundsätzlich kein kritisches oder unproblematisches Gemüse ausgemacht werden konnte. Vielmehr hängt der Gehalt an Schadstoffen in der Regel von der Nähe eines Gartens zu stark befahrenen Verkehrsstraßen ab.

Schadstoffe im Garten

Alle Böden, – auch Gartenboden – sind den verschiedensten Belastungen ausgesetzt. Gerade die älteren Gartenböden sind extrem überdüngt und in geringem Maße, oder sogar erheblich durch Schadstoffe belastet. Durch den Nichtabbau der Schwermetalle im Boden, findet dort im Laufe der Zeit eine Anreicherung statt, welche die Bodenfruchtbarkeit und die Artenvielfalt des Bodens und dadurch auch den natürlichen Kreislauf im Garten gefährdet. Auch eine Belastung des Gemüses und somit eine Gefährdung von Menschen und Tieren bei hoher Schadstoffbelastung kann nicht ausgeschlossen werden.

In den Böden von Siedlungen fallen besonders Blei, Cadmium, Kupfer und Zink bei den Messungen von Schwermetallen auf. Wobei hier speziell die vorwiegend aus Verbrennungsmotoren stammenden schwer abbaubaren organischen Stoffen polycyklischen aromatischen Kohlenstoffverbindungen (PAK) zu erwähnen sind.

Damit selbstgezogenes Gemüse nicht als ungesund bezeichnet wird, können diese Schadstoffbelastungen aber mit bestimmten Maßnahmen reduziert werden, die im Folgenden erörtert werden.

Ursachen der Belastung

Gerade straßennahe Standorte zeigen sich, durch die höhere Verkehrsbelastung, als sehr problematisch für den Gemüseanbau. Je näher der Garten an einer Straße liegt, umso mehr überschreiten Proben bei Gemüse den Grenzwert von Schadstoffmessungen. Hier können beispielsweise Hecken und Barrieren zwischen Beet und Straße sich schützend auswirken und die Belastungssituation verringern.

Während der Faktor Gebäude als Barrieren z.B. bei Beeten in den Hinterhöfen zwar einen gewissen Schutz bietet, aber durch die Verwendung von bleihaltigen Farben, gerade bei der Bebauung in der Gründerzeit, eher zwiespältig zu bewerten ist, da diese Gebäude auch eine Quellen für Verunreinigung des angrenzenden Bodens sein können.

So gesehen können die Ursachen der Schadstoffbelastung von Gartenböden sehr vielfältig sein, da die Schadstoffeinträge in der Regel während einer längeren Zeitperiode erfolgten und oft Jahrzehnte zurück liegen. In den meisten Fällen lässt sich aber ein deutlicher Zusammenhang zwischen dem Alter eines Gartens und der Schadstoffbelastung des Bodens herstellen.

Auch heute noch wird z.B. Asche oft in Gärten als Dünger eingesetzt und dem Kompost beigemischt. Diese Asche setzt sich meistens aus Rest- und Altholz zusammen und weist oftmals einen hohen Schwermetall- und PAK-Gehalt auf. Deshalb ist Asche als Dünger gänzlich ungeeignet.

Ursachen der Schadstoffbelastung beseitigen

Wie verhalte ich mich bei der Nutzung von bereits mit Schadstoffen belasteten Böden?

Wichtig ist hier ein weiterer Schadstoffeintrag zu vermeiden und die Gärten so zu bewirtschaften, dass ein gesundheitliches Risiko der Benutzer ausgeschlossen werden kann. Dies kann mit einer schadstoffarmen, naturnahen Bewirtschaftung erreicht werden.

Mit an erster Stelle einer Maßnahme steht die Kompostierung. Bei einer sinnvollen Kompostierung sollte auf jeden Fall darauf geachtet werden, dass z.B. keine Asche oder Grünmaterial aus Straßennähe und zusammengerechtem Laub zum Kompostieren verwendet werden.

Kompost muss richtig dosiert eingesetzt werden. Auch auf den Einsatz von Handelsdünger sollte weitgehend verzichtet werden, da diese oft Schadstoffe enthalten. Die Dosierung sollte immer angepasst sein, da bei zu hoher Kompostgabe eine Überdüngung der Böden stattfindet. Zudem belasten zu hohe Düngergaben nicht nur das Portemonnaie sondern auch die Umwelt.

Achten Sie bei der Nutzung von Dachwasser als Gießwasser darauf, nach längeren Trockenperioden das erste Regenwasser (Dachwasser) in die Kanalisation abzuleiten und erst dann den nachkommende Niederschlag als Gießwasser aufzufangen, da der auf den Dächern abgelagerte Staub in der Regel Schwermetalle und andere Schadstoffe enthält.

Pro Stadtgarten

Trotz der straßennahe Standorte und der höheren Verkehrsbelastung, sollte man natürlich nicht voreilig das Hobby Garten an den Nagel hängen. Oftmals helfen bereits höhere Gehölzpflanzungen oder dichte Hecken sowie das Zurücksetzen der Gemüsebeete, um die Entfernung zu den verkehrsreichen Straßen zu vergrößern, um Obst und Gemüse besser zu schützen.

Auch ist nicht jeder Siedlungsboden und jeder Gartenboden schadstoffbelastet. Glücklicherweise zeigen knapp zwei Drittel der Siedlungsböden nur geringe Spuren von Schadstoffen. In diesen Fällen sollten die Bemühungen zum Schutz des Bodens, auf die verantwortungsbewusste Vermeidung von Schadstoffeinträgen ausgerichtet sein. Zur Vorbeugung empfiehlt es sich, Gemüse aus betroffenen Gärten immer gut zu waschen.

Darüber hinaus hat das Gärtnern selbst durchaus positive Effekte für die Gesundheit, wie die Bewegung an der frischen Luft, die Pflanzenvielfalt und die Natur kennenzulernen und zu erleben oder der Spaß am Gärtnern selbst, die nicht vergessen werden sollten.

Bildquelle: Teller mit Totenkopf, Stadtgarten / shutterstock.com

Interessante Links:

http://www.lanuv.nrw.de/veroeffentlichungen/infoblaetter/infoblatt12.pdf

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